Nur noch fünf Euro in der Tasche

Zonta Club Würzburg Electra präsentiert in Yokohama das Projekt „Frauen in Altersarmut“.

Sie sind alt. Sie sind einsam. Vielen geht es außerdem gesundheitlich schlecht. Diesen Frauen hilft der Zonta Club Würzburg Electra seit zwei Jahren mit seinem Projekt „Frauen in Altersarmut“. Die Initiative fand inzwischen überregional Beachtung. Am 30. Juni stellen Würzburger Zonta-Frauen ihr Projekt sogar beim internationalen Zonta-Treffen im japanischen Yokohama vor. „Das ist eine große Ehre“, so Präsidentin Elisabeth Jentschke. Nur 32 der 1.200 Zonta-Clubs weltweit präsentieren ein Projekt.

Um arme, alte Frauen zu erreichen, kooperiert der Zonta Club Würzburg Electra mit der städtischen Beratungsstelle für Senioren. Dort gibt es einen bayernweit einmaligen Nothilfefonds für Seniorinnen und Senioren, der in diesem Jahr mit 45.000 Euro ausgestattet ist. Dank des Frauen-Clubs wird der Fonds seit zwei Jahren ergänzt durch einen zweiten Hilfstopf, aus dem Frauen mit Minirente, die in eine schwierige Lebenslage geraten sind, zusätzliche Hilfe erhalten können. 20.500 Euro ließ Zonta seit Anfang 2016 in den Topf fließen. Das Geld stammt aus Benefizveranstaltungen wie der alljährlichen Frühjahrsrallye.

Wobei es die Zonta-Frauen nicht dabei belassen, lediglich Geld zu geben. Seniorinnen in prekären Lebenslagen werden aktiv unterstützt, denn die Bewältigung des Alltags scheitert in vielen Fällen nicht nur am Geld. „Die Frauen sind oft mit Anträgen und Ämterkontakten völlig überfordert“, sagt Gerontologin und Psychoonkologin Elisabeth Jentschke. Die Zonta-Frauen nehmen Kontakt zu Behörden oder zur Krankenkasse auf, auch werden die seelisch oft stark belasteten Seniorinnen psychosozial begleitet. All das geschieht ehrenamtlich neben dem Beruf.

Acht Frauen engagieren sich im Arbeitskreis „Frauen in Altersarmut“. Zum Team gehört auch Kathrin Tatschner, Chefärztin der Geriatrischen Rehaklinik der AWO. Sie kümmerte sich kürzlich um eine lungenkranke Seniorin, die ein Atmungsgerät benötigt. Jahrelang hatte sie ein Gerät einer bestimmten Firma gehabt. Doch die Krankenkasse änderte ihre Rabattverträge. Die Seniorin sollte ein anderes Gerät bekommen.

Das war für die alte Dame problematisch, sie fürchtete, sich nicht umgewöhnen zu können. Deshalb orderte sie das Gerät der vertrauten Firma, ohne zu ahnen, dass sie dies 150 Euro Zuzahlung kosten würde. Geld, das sie nicht hatte. Trotz Tatschners Intervention bei Firma und Krankenkasse wurde ihr die Summe nicht erlassen. Zonta Club Würzburg Electra sprang ein und übernahm die Kosten.

„Rund“ wird das Zonta-Projekt durch eine zweite Initiative, die vor einem Jahr an den Start ging: Der Club macht junge Frauen darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, sich früh mit dem Thema „Leben im Alter“ auseinanderzusetzen. „Eigenverantwortliche Vorausschauende Altersvorsorge“ (EVA) heißt die in den Arbeitskreis „Altersarmut“ integrierte Initiative, das sich am 5. Juni in der Würzburger Fachhochschule vorstellen wird. Schülerinnen und Studentinnen erfahren dabei, wie fatal sich ein längerer Berufsausstieg, etwa wegen Kindererziehung, in Bezug auf die spätere Rente auswirkt.

Dies vor allem dann, wenn die Ehe in die Brüche geht. „Viele Seniorinnen, die zu uns kommen, weil sie den Nothilfefonds in Anspruch nehmen müssen, sind geschieden“, bestätigt Volker Stawski, Leiter der städtischen Beratungsstelle für Senioren. Insgesamt erhielten 218 Würzburger Bürger ab 60 Jahren 2017 Hilfe. In 70 Prozent der Fälle handelte es sich um arme Frauen.

Bundesweite Statistiken zeigen laut Elisabeth Jentschke, dass Altersarmut weiblich ist. Demnach haben Frauen durchschnittlich rund 40 Prozent weniger Rente als Männer. 762 Euro erhält eine Frau derzeit im Schnitt, um ihren Lebensabend abzusichern. Würzburger Seniorinnen liegen sogar noch darunter. Wie aus dem aktuellen Sozialbericht der Stadt hervorgeht, liegt die durchschnittliche Altersrente von Seniorinnen aus der Stadt bei 628 Euro. Fast jede dritte Seniorin aus Würzburg bezieht nicht einmal 400 Euro Rente. Der Sozialbericht kommt zum dem Schluss, dass auch in Würzburg immer mehr Frauen nicht mehr von ihrer Rente leben können.

Zu den vielen betroffenen Seniorinnen, denen Zonta in den letzten zwei Jahren half, gehört eine Frau, die an extremen Schmerzen leidet und deshalb starke Medikamente einnehmen muss. Allein dadurch ist ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Die Armutsrentnerin wandte sich an die Beratungsstelle für Senioren, nachdem ihr Konto um 800 Euro überzogen war. Gerade noch fünf Euro hatte sie in der Tasche. Die Frau brauchte dringend Lebensmittel, Kleidung und einen Tisch. Über den Zonta-Fonds erhielt sie 200 Euro. Außerdem wurde sie wegen ihrer starken Schmerzen von Elisabeth Jentschke psychoonkologisch beraten und an entsprechende ärztliche Stellen weiter vermittelt.

Die Informationsveranstaltung des Zonta Club Würzburg Electra zum Projekt „Frauen in Altersarmt“ fand am 5. Juni um 17 Uhr in der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (Münzstraße 12) statt. Sabine Horn, Dr. Elisabeth Jentschke, Dr. Kathrin Tatschner und Gundula Viering stellten die Präventionsinitiative „Eigenverantwortliche Vorausschauende Altersvorsorge“ (EVA) vor.

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Bildunterschrift (von links)
Dr. (phil.) Elisabeth Jentschke, amt. Präsidentin Zonta Club Würzburg Electra, Dr. Hülya Düber, Sozialreferentin, Dipl.-Psych. Ingrid Schnug, vorm. Präsidentin ZONTA Club Würzburg Electra
Foto: Volker Stawski
Text: ZONTA Club Würzburg Electra

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