Leichte Sprache sorgt für mehr Teilhabe

Deutsche Sprache - leichte Sprache: Das heißt es künftig für Menschen mit Behinderung, die bisher am Behördendeutsch gescheitert sind.

Der Bezirk Oberbayern hat als erster bayerischer Bezirk eine Broschüre in leichte Sprache übersetzen lassen. Das Heft »Mobilitäts-Hilfe: Geld für den Behinderten-Fahr-Dienst« kann jetzt jeder verstehen. Es wird im Internet auf www.bezirk-oberbayern.de an prominenter Stelle platziert. Die Broschüre wird zudem in einer Auflage von 1500 Stück gedruckt.

„Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung“, freute sich Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Kurz vor der Druckfreigabe blätterte der Präsident in der neuen Broschüre. In Erstaunen versetzte ihn dabei nicht nur der Umfang, sondern auch die ungewohnte grafische Gestaltung.

Der kompakte Flyer zur Mobi-Hilfe ist in leichter Sprache nämlich auf stattliche Ausmaße angewachsen: Im Format A4 umfasst er 26 Seiten. „Das zeigt, wie komprimiert das Behördendeutsch ist“, sagte Mederer. „Besonders für Menschen mit einer Lernbehinderung oder einer geistigen Behinderung ist diese Sprache oft kaum zu verstehen. Leichte Sprache baut diese sprachlichen Barrieren ab. Sie ist ein Beitrag, damit sich die betroffenen Menschen aktiv einmischen können.“

Der Anstoß, den „Amtssprech“ für Menschen mit Behinderung leichter verständlich zu machen, kam von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sozialausschuss des oberbayerischen Bezirkstags. Als Übersetzerin hat die Bezirksverwaltung Susanne Göbel, Mitglied im „Netzwerk Leichte Sprache“, beauftragt. Mitarbeiter von „Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland e.V.“ haben die Übertragung geprüft.

Ohne diesen Praxistest darf das europäische Logo für leichte Sprache, das auf dem Deckblatt des Heftes zu sehen ist, nicht verwendet werden. Dieses Logo gilt als Gütesiegel für in leichte Sprache übersetzte Texte. „Wir haben uns ganz bewusst an den strengen sprachlichen und gestalterischen Richtlinien des Netzwerkes Mensch zuerst orientiert“, erklärte Bezirkstagspräsident Mederer. „Unser Ziel war, dass die Mobi-Hilfe künftig wirklich jeder Mensch mit einer Behinderung verstehen kann.“

Die Idee, Texte in leichte Sprache zu übertragen, stammt aus Skandinavien und England. Dank der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention werden auch in Deutschland immer mehr Texte in einfache Sprache übersetzt. Der Bezirk Oberbayern nimmt im Freistaat eine Vorreiterrolle ein: Als erster der bayerischen Bezirke legt er mit der „Mobi-Hilfe“ eine Broschüre in leichter Sprache auf.

Weitere Infos zur Mobi-Hilfe:
Die Mobilitätshilfe soll Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft eröffnen. Sie wird ausschließlich für Fahrten in der Freizeit gewährt, um beispielsweise Kultur- der Sportveranstaltungen zu besuchen. 3135 Menschen mit Behinderung haben im Oberbayern im Jahr 2010 Mobilitätshilfe erhalten. Der Bezirk Oberbayern hat dafür rund 3,71 Millionen Euro aufgewendet. Die Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor.

Die Broschüre kann beim Bezirk Oberbayern bestellt werden. Bestellformular hier und sie steht auch zum Download bereit. (PDF – 3 MB)

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