Keine Angst vor dem Chip im Rock

Oder was hat es mit den RFIDs auf sich?

Vorder- und Rückseite eines derartiken Etiketts
Der rote Pfeil weist auf das RFDI
Manchmal sind die kleinen Dinger auf dem Einbanddeckel eines Buches eingeklebt. Dann können Büchereinutzer das Buch selbst über das Lesegerät ziehen – ohne dass jemand anderes mitbekommt, was gerade entliehen wird. Auch in der Würzburger Stadtbücherei soll dieser Service in Zukunft eingeführt werden. Andernorts gibt es RFID-Chips schon lange. Zum Beispiel stecken die Transponder inzwischen manchmal in Kleidungsstücken. Sind sie dort gefährlich? Und darf man sie einfach entfernen?

Eine Würzburger Seniorin hatte kürzlich ein solches Erlebnis: Auf dem Etikett ihres neuen Pullovers befand sich ein merkwürdiger Chip. Sie wandte sich an Herbert Schmidt vom Internetcafé „Von Senioren für Senioren“ und bat um Aufklärung: Was sollte sie mit diesem Chip tun? „Einfach entfernen!“, meinte der. Und Volker Wedde, Geschäftsführer des unterfränkischen Einzelhandelsverbands, gibt Schmidt Recht. Im Übrigen, beruhigt der Kenner der Würzburger Einzelhandelsszene, sind die „Transponder“ in den Kleidungsstücken in keiner Weise gefährlich. Im Gegenteil. Dadurch, dass sie Daten kontaktlos übertragen, bringen sie laut Wedde viele Vorteile mit sich. Auch für Kunden.

Es war der Schwede Harry Stockmann, welcher der RFID-Technologie zur Geburt verhalf: Im März 1948 präsentierte der Radioingenieur seine neueste kommunikationstechnische Erfindung. Damals interessierte sich noch kaum jemand für die Entwicklung. Erst zehn Jahre später begann die kommerzielle Anwendung der Funk-Chips. Doch weit verbreitet waren sie auch damals noch nicht. Ende der 1960er Jahre gab es zwar erste Versuche von Schweizer Supermärkten, Artikel elektronisch zu lesen. Doch auch die setzten sich nicht durch. Erst in den 1970er Jahren wurden hochwertige RFID-Datenträger zur Kennzeichnung und Sicherung von Produkten entwickelt.

Heute ist es üblich, Gemälde in Museen mit RFID-Chips zu sichern oder Fahrräder mit Hilfe der Transponder vor Diebstahl zu bewahren. „Ganz wichtig ist, zu wissen, dass ein Transponder nur objekt- und keine personenbezogene Informationen verwendet“, betont Volker Wedde gegenüber dem SENIORENFORUM. Die objektbezogene Datenspeicherung bringe erhebliche Vorteile mit sich: „Durch RFID kann eine Warenlieferung schnell erfasst werden, ohne jedes einzelne Stück abzählen zu müssen.“ Versand, Lagerung sowie die Annahme von Waren funktioniere auf diese Weise wesentlich reibungsloser.

Im Idealfall müssen die einzelnen Waren nicht mehr einzeln über den Kassenscanner gezogen werden. Vielmehr können dank der Funktechnik sämtliche Produkte in einem Einkaufswagen zugleich erfasst werden. Auch könnten Inventuren laut Volker Wedde schneller vonstatten gehen: „Was auch dazu führt, dass weniger Inventurdifferenzen entstehen.“ Aber was ist mit dem Datenschutz? Daten auf dem RFID-Chip eines Kleidungsstücks können in der Tat gelesen werden, ohne dass der Kunde dies merkt! Wedde: „Doch es geht ja nicht darum, den Kunden zu ‚verfolgen’.“ Was würde das auch für einen Sinn machen?

Der Einsatz von RFID-Chips ist gemäß dem Datenschutzgesetz zulässig und vollkommen bedenkenlos, bestätigt auch der Würzburger Universitätsprofessor Dr. Klaus Schilling dem SENIORENFORUM. Auf dem Chip kann zum Beispiel eingespeichert sein, wer einen Pullover hergestellt hat, wann das Kleidungsstück mit welcher Maschine produziert wurde und wer für die Kontrolle der Qualität verantwortlich war. „So kann man bei Reklamationen den Weg des Kleidungsstücks zurückverfolgen und die Fehlerursache analysieren“, erläutert Schilling. Dass außerdem erfasst werden kann, wann der Pullover das Geschäft verlässt, sei für Warenhausdetektive sinnvoll.

Wie jede gute Idee könnte auch die der „Radio Frequency Identification“ missbraucht werden. Beispielsweise könnte ein Arbeitgeber mit Hilfe von Overalls, die mit solchen Chips ausgestattet sind, überprüfen, wann genau ein Beschäftigter das Firmengebäude betritt oder verlässt. Kunden, die eine Jeans oder Jacke erwerben, können sich jedoch ganz leicht von der Angst vor Überwachung befreien: Indem sie einfach das Etikett entfernen. Doch wie gesagt: Personenbezogene Daten sind hier gar nicht eingespeichert. Wesentlich „gläserner“ wird ein Kunde, wenn er an der Kasse eine Payback-Karte zückt. Oder mit einer EC- oder Kreditkarte zahlt.

Ob sich auf einem der Etiketten wohl ein Funkchip versteckt? Wer Bedenken hat, soll einfach das Etikett entfernen – egal, was darauf geschrieben steht!

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Pat Christ

Sie ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in Würzburg mit Schwerpunkt "Soziales" tätig.

Ein Gedanke zu „Keine Angst vor dem Chip im Rock

  • 29. Dezember 2012 um 13:29
    Permalink

    Heute las ich

    Der Bürgerrechtsverein Digitalcourage warnt auf dem 29. Chaos Communication Congress vor den Gefahren von immer weiter verbreiteten RFID-Chips (Radio-Frequency Identification) in Produkten und Etiketten. Mittlerweile sollen die eingesetzten RFID-Chips dank erhöhter Reichweite sehr gut ausgelesen werden können. Bis zu 8 Meter sollen es offiziell sein.

    Den kompletten Artikel gibt es hier

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