Kann ein Stadtteilbegegnungszentrum sich auch in Zukunft noch finanzieren?

Muss zur Zukunftssicherung der Stadtteilsozialarbeit ein radikales Umdenken weg von kommunalen Mitteln hin zu einem Social-Business-Betrieb erfolgen?

Foto: Ernst Rose - pixelio.de
Die kommunale Finanzierung scheint über kurz oder lang ein Auslaufmodell zu sein. Wird damit auch ein Stadtteilbegegnungszentrum zum Auslaufmodell, oder gibt es alternative Finanzierungsmöglichkeiten?

Die Hauptausgaben eines Begegnungszentrums stellen die Personalkosten dar. Neben ein bis zwei Sozialarbeiterstellen in Teilzeit ist meistens noch eine hauswirtschaftliche Leitung beschäftigt, dazu bis jetzt ein Zivildienstleistender und ggf. Reinigungspersonal. An zweiter Stelle der Kosten stehen die Mietkosten für eine relativ große Immobilie.

In den vorangegangenen Beiträgen habe ich beschrieben, dass der Trend weg von Großgruppen hin zu kleinen Interessensgruppen geht. Man spricht auch von einer Fragmentisierung der Gesellschaft bedingt durch die zunehmende Individualisierung. Damit verbunden werden weder große Räumlichkeiten, noch eine hauswirtschaftliche Leitung benötigt, da der Verzehr und die damit verbundenen Tätigkeiten immer weiter zurückgehen. Sie fallen als feste Einkommensquelle aus, ebenso wie Einnahmen aus Vermietungen der Räume. Mittlerweile gibt es ein so großes Angebot an Räumlichkeiten, dass der Bedarf – abgesehen von großen Familienfesten – gegen Null tendiert.

Ein Wachstum ist hingegen bei den sozialen Dienstleistungsangeboten zu erkennen. Hier entstehen immer neue Dienste und Angebote, die koordiniert werden müssen. Diese Aufgaben übernehmen die pädagogischen Fachkräfte, oft unterstützt von Honorarkräften. Dazu braucht ein Zentrum Büroräume mit PC-, Internet- und Telefonanschluss. Diese Art von Räumen ist in den traditionellen Zentren meistens aber nicht vorhanden, oder wenn dann nur ein zentrales Büro für die Hausleitung.

Ein Aspekt in der Frage der Finanzierung betrifft also die Einsparung von Geldern, z.B. durch einen Umzug in geeignetere, kleinere und damit preiswertere Räumlichkeiten, die besser an den veränderten Bedarf angepasst sind. Damit verbunden verschiebt sich auch der personelle Bedarf mehr in Richtung pädagogisches Fachpersonal, anstatt Hauswirtschaft. Es ist zu überdenken, ob ein Caféteriabetrieb ausgegliedert und mit seinem Umsatz die Mietkosten eines Zentrums unterstützen kann.

Der zweite Aspekt geht in Richtung Akquierierung neuer Gelder. Welche Finanzquellen könnten für ein Stadtteilbegegnungszentren noch genutzt werden?

Meine Vision geht hin zu einer Einrichtung, die weitestgehend auf kommunale Mittel verzichten kann. Dieser Weg ist alles andere, als einfach. Verschiedene Möglichkeiten müssten miteinander kombiniert werden:

* An erster Stelle: Ein Fundraiser müsste fest in das Konzept eingebunden und die Konzeption eng mit dem Thema Fundraising vernetzt sein.
* Es muss überprüft werden, ob es im Bereich des Social Business Produkte gibt, die benötigt und marktfähig angeboten werden können.
* Die Angebote eines solchen Zentrums richten sich nicht nur an die Bewohner, sondern auch an die Gewerbetreibenden und die Wirtschaft vor Ort. Was benötigen diese Zielgruppen konkret und wofür wären sie bereit, Geld zu investieren?
* Beratung sollte auch weiterhin kostenfrei angeboten werden. Denkbar ist aber die Gründung eines Fördervereins nach dem Konzept der Lohnsteuerhilfevereine. Mitglieder könnten Vergünstigungen erhalten.
* Eine Fördermöglichkeit durch Stiftungen muss überprüft werden. Hierbei wird es in der Regel nicht zu einer dauerhaften “Rundum-Förderung” kommen, sondern es müssen Projekte klar abgegrenzt und dafür Fördergelder eingeworben werden.
* Schon im Vorfeld muss die Rechtsform eines solchen Zentrums sorgfältig abgewogen werden. Geeignet wäre eine gGmbH, die den wirtschaftlichen Anforderungen besser gerecht würde, als ein eingetragener Verein.
* Insgesamt müsste versucht werden, die Gelder in einen großen Topf fließen zu lassen und sie von dort aus ökonomisch zu verteilen. Zweckgebundene Mittel, wie sie die Förderprogramme heute vorsehen, sind oft kontraproduktiv zu den Anforderungen vor Ort. Was nützt eine Vorgabe zur Halbierung der Personal- und Sachkosten, wenn die Personalkosten tatsächlich höher sind, Sachkosten aber gar nicht in der vorgegebenen Größenordnung anfallen?

Funktionieren kann ein solches Modell nur, wenn die Bevölkerung aktiv an diesem Konzept partizipieren kann. Dazu müssen Möglichkeiten geschaffen werden, alle Beteiligten von Anfang an einzubinden und als gleichberechtigte Partner zu sehen. Schließlich geht es um ihre Interessen und nicht darum, zwei Sozialarbeitern eine Stelle zu sichern und Fördermittel zu verwalten.

Der Artikel ist ein Teil aus dem Beitrag „Strukturveränderung in der Sozialarbeit Teil 3: Die Finanzierung

Autor: Stefan Zollonds:
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Weitere Artikel von Stefan Zollonds, auch die Teile 1 und 2 sind im sozialarbeiterblog.de zu finden.

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Stefan Zollondz

Er ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der Net-Pilots GmbH. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Sozialmanagement, Coaching, Teamentwicklung und Entwicklung von Social-Media-Konzepte, Internetauftritte. In 2011 wird er voraussichtlich die zweijährige berufsbegleitenden Fortbildung zum Sozialmanager abschließen.

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