Gedenkveranstaltungen zur Zerstörung Würzburgs

Der 16. März 1945 ist Würzburgs unauslöschlicher und traumatischer Tiefpunkt einer Vergangenheit, deren politische Machthaber in der Verfolgung ihrer Ziele auf nichts und niemanden Rücksicht nahmen. Das Gedenken und Erinnern an Würzburgs Zerstörung soll jedes Jahr mit diesem Datum verbunden sein – den Überlebenden zum Trost, den Nachkommen als Mahnung. Gedenken und Mahnung äußern sich in Veranstaltungen religiöser und kultureller Art, denn Gedenken, Versöhnung, Gebet und Kunst können
über die schreckliche Realität hinweg trösten helfen.

Zur 66. Wiederkehr der Zerstörung Würzburgs finden am Vormittag um 10 Uhr auf dem Hauptfriedhof das traditionelle Totengedenken und die Kranzniederlegung durch Oberbürgermeister Georg Rosenthal statt. Anschließend lädt die Nagelkreuz-Initiative zur Versöhnungsglocke (kurze Ansprache durch Oberbürgermeister Georg Rosenthal) und auf den gemeinsamen Weg über St. Johannis durch den Ringpark zur Übergabe des Nagelkreuzes an die Evangelisch-methodistische Kirche, Friedrich-Ebert-Ring 39, ein (siehe Sonderfaltblatt der Nagelkreuz-Initiative und Faltblatt der Stadt Würzburg).

Am Nachmittag beginnt um 14.30 Uhr am Vierröhrenbrunnen eine besondere Führung „Trümmerfrau“. Würzburg mit anderen Augen sehen und die Erinnerung an unsere Mütter und Großmütter wach halten ist ihr Anliegen. In der Figur der Trümmerfrau Babette führt Angela Sey an die Arbeitsorte der Nachkriegsheldinnen, erzählt aus deren Leben mit Zitaten wirklicher Trümmerfrauen und schildert den mühevollen Weg des Aufbaus. Einzelne Fotografien verschiedener Gebäude im Vergleich vor dem Angriff, nach der Zerstörung und heute verstärken den Eindruck. Immerhin wurden beim Angriff vom 16. März 1945 mehr als 80% der Stadt zerstört. Die Trümmerfrauen verkörpern wie niemand anders „Würzburgs Willen zum Leben“. Sie packten mit an, befreiten die Stadt vom Trümmerschutt und halfen mit, ihre Heimatstadt am Main wieder aufzubauen. Seys Mutter war selbst eine Trümmerfrau. Von ihr und ihren Kolleginnen erzählt „Babette“. Kosten: fünf Euro / ermäßigt vier Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um 18 Uhr wird im Ratssaal des Rathauses der Öffentlichkeit die Renovierung und Neugestaltung des Gedenkraums im Grafeneckart vorgestellt. Stadtheimatpfleger Dr. Steidle wird kurz die ursprüngliche Nutzung und Bedeutung des Grafeneckart erläutern. Im Anschluss daran stellt Dr. Baum den Umbau des Gedenkraums vor und kommentiert den Inhalt der neu gestalteten Text- und Bildtafeln.

Das Gedenkkonzert zum 16. März wird in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Julius-Maximilians-Universität um 19.30 Uhr in der Neubaukirche stattfinden. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Cappella Sankt Stephan unter Leitung von Dekanatskantor Christian Heidecker. Es erklingen das Requiem op.9 für Gesangssoli, Chor und Orgel und das Prélude es-Moll aus der Suite op.5 für Orgel. Die Solisten sind Barbara Werner (Mezzosopran) und Johannes Weinhuber (Bariton); an der Orgel Domorganist Stefan Schmidt. Professor Dr. Martin Stickler von der Julius-Maximilians-Universität wird vor dem Requiem einen kurzen Vortrag zum Thema „Erinnerungsort Luftkrieg – Städtische Gedenkkultur im Spannungsfeld von lokaler Opferperspektive und geschichtswissenschaftlicher Kontextualisierung“ halten. Der Eintritt zum Gedenkkonzert ist frei.

Von 21.20 bis 21.40 Uhr, dem Zeitpunkt der Bombardierung, werden – wie jedes Jahr – alle Würzburger Kirchenglocken in das Mahnläuten zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt einstimmen. Diese Klangkulisse ist sicherlich der bewegendste Moment eines Mahn- und Gedenktages und übertrifft jedes gesprochene Wort und jede noch so künstlerisch
hochwertige Veranstaltung. Danach ist die Marienkapelle am Markt bis 24 Uhr zu stillem Gebet geöffnet.

Begleitveranstaltungen um den 16. März:
Am 11. März wird um 16 Uhr in der Volkshochschule Würzburg, Münzstraße 1 (Galerie im Flur), eine Ausstellung eröffnet mit Grafiken jüdischer und arabischer Jugendlicher aus Israel zum Thema „Der andere Weg“ – Hoffnungsbilder aus Israel. Besichtigen kann man die Ausstellung bis zum 8. April täglich Montag bis Freitag von 8 bis 21 Uhr; Samstag zu
Kurszeiten von ca. 9 bis 20 Uhr und Sonntag zu Kurszeiten von ca. 9 bis 12 Uhr. Führungen bitte anmelden unter Tel. Nr. (0931) 27 32 00.

Am 13. März findet um 18 Uhr im Ökumenischen Zentrum Würzburg-Lengfeld ein Ökumenischer Gottesdienst zur Verabschiedung des Wandernagelkreuzes statt, gestaltet vom Heilig-Kreuz-Chor. Um 19.30 Uhr erklingt in der Karmelitenkirche (Reuererkirche) ein Konzert zum Gedenken an die Zerstörung Würzburgs. Es singt der Polizeichor Würzburg e. V. unter der Leitung von Jürgen Pfarr. Georg Götz vom Main-Franken-Kreis wird einen Text eines Kriegszeitenchronisten vortragen. Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei.

Im Fürstenbaumuseum (Stadtgeschichtliche Abteilung des Mainfränkischen Museums) gibt es am 19. und 20. März Familienführungen jeweils um 14.30 Uhr zu dem Thema „Als auf Würzburg Feuer fiel“ – Zur Zerstörung der Stadt am 16. März 1945 (Dia-Schau mit Ton). Die Führungen sind geeignet für Kinder ab 9 Jahren und werden durchgeführt von Gesine Kleinwächter M.A. und Katja Kraus M.A. Eintritt inkl. Führung: 5,50 Euro, für Kinder unter 14 Jahren: 1,50 Euro. Bitte anmelden unter Tel. Nr. (0931) 2 05 94 39.

Die Veranstaltungen der Stadt zum 16. März werden mit denen der Julius-Maximilians-Universität, des Ökumenischen Nagelkreuzzentrums und des Mainfränkischen Museums koordiniert und vom Fachbereich Kultur in einem Faltblatt veröffentlicht.

Das Nagelkreuzzentrum informiert in einem gesonderten Blatt über weitere Aktivitäten der Initiative. Die Faltblätter liegen in den öffentlichen Gebäuden der Stadt zur Information aus und werden an die städtischen Schulen gegeben.

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