Ethische Orientierung

Weiterbildung sensibilisiert für Probleme im Umgang mit Ambient Assisted Living

RisikoEin dickes Paket an interessanten AAL-Kursen schnürte das Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung der Universität Rostock in den vergangenen Jahren. Besonders spannend ist ein Zertifikatskurs zum Thema „Ethik und Recht“ des Projekts „WeiterBildung im Bereich Ambient Assisted Living“ (BAAL). Schließlich birgt der Einsatz von Technologien im häuslichen Umfeld und bei der Pflege von Senioren nicht nur Chancen. Er ist durchaus mit Risiken verbunden.

In einem Skript zu einer Ethik-Vorlesung des deutschen Philosophen Julian Nida-Rümelin heißt es zum Thema „Risiken“: „Ein Risiko ist legitim, wenn der Betroffene ihm zustimmt.“ Nun ist eben dies im Falle von AAL nicht immer möglich. Man denke an Menschen mit Demenz. Gleichzeitig stehen gerade sie im Fokus, wenn es um technische Assistenzsysteme gibt. Ist doch ihr Unterstützungsbedarf besonders groß. Dass Demenzkranke nicht einwilligen können, stellt deshalb ein besonderes ethisches Problem dar. Darüber hinaus sind aber auch Datenschutzfragen bei AAL relevant. Werden doch durch AAL-Systeme oft etliche Daten erhoben.

Dem Missbrauch würde Tür und Tor geöffnet, wäre nicht eindeutig festgelegt, zu welchem Zweck die Erhebung erfolgt. Überhaupt empfiehlt sich, Daten so sparsam wie möglich zu erheben. Die Nutzer selbst sollen auch aus Datenschutzgründen möglichst in die Lage versetzt werden, das jeweilige AAL-System zumindest grob zu verstehen, um Sinn und Zweck für sie persönlich beurteilen zu können.

Qualifizierung seit 2013
Sind sie nicht einverstanden mit der Nutzung, muss eine Alternativlösung gefunden werden. Für solche Situationen zu sensibilisieren, ist Ziel der dreimonatigen Qualifizierung, der 2013 erstmals stattfand. Heuer wurde er zum zweiten Mal angeboten. An beiden Kursen nahmen jeweils um die 15 Interessierte teil. Der Kurs besteht aus zwei onlinegestützten Selbststudierphasen, einem Praxisseminar und einer Abschlussaufgabe. Im Praxisseminar untersuchen die Teilnehmer unter Anleitung des Ethik-Experten Dr. Arne Manzeschke an konkreten Fallbeispielen ethische Fragestellungen, die den Einsatz intelligenter Assistenzsysteme begleiten.

Dass AAL bei Menschen, die ihre Gefühle nicht mehr klar verbalisieren können, ein sehr sensibles Thema ist, bestätigt Juliane Schuldt vom Projekt „WeiterBildung im Bereich Ambient Assisted Living“. „Wenn Menschen nicht mehr selbst entscheiden können, was für sie gut und was für sie schlecht ist, muss man zur Entscheidung bestimmte Kriterien von außen zu Hilfe nehmen“, so die BAAL-Mitarbeiterin. Es sei auch sinnvoll, innerhalb der Familie Vereinbarungen zu treffen, wie man sein Alter gestalten möchte – gerade mit Blick auf technische Unterstützungsmöglichkeiten. Dies als ganz konkreter Tipp zum ethischen Umgang mit AAL.

Technik leistet heute oft das, was vormals Angehörige taten. Schuldt: „Die Grundidee von AAL ist es, den Anwender zu unterstützen. Der soll, wie es heißt, trotz Einschränkungen möglichst lange im häuslichen Umfeld selbstbestimmt leben können.“ Auch wenn es keine Familienmitglieder in der Nähe gibt.

AAL kann verhindern, dass Menschen am Lebensende in willenlose Abhängigkeit geraten. Dies interessiert denn auch Senioren an dem Technikeinsatz. Doch natürlich haben auch Kinder, die weit entfernt wohnen, ein starkes Interesse daran, durch AAL zu gewähren, dass es ihrer Mutter zu Hause gut geht. Schuldt: „Sie möchten sichergehen, dass sie zum Beispiel daran gedacht hat, ihre Tabletten einzunehmen.“

Sollten jedoch die Anliegen der Angehörigen dominieren, kann es zu Interessenskollisionen kommen. Diese zu lösen, dazu werden die Kursteilnehmer befähigt. Der nächste Kurs „Ethik und Recht im Bereich AAL“ findet vom 2. Mai bis 31. Juli 2015 statt. Nähere Infos gibt es hier.

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Pat Christ

Sie ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in Würzburg mit Schwerpunkt "Soziales" tätig.

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