Entspannungsbad mit „Mobile-Chair“

Münchner Architekturstudenten entwerfen futuristische Badezimmer für Seniorinnen und Senioren.

Ein „Mobile-Chair“ ist das Herzstück des futuristischen Badezimmers, das Diane Stein in einem Seminar der Münchner Architektin Heidrun Reusch entwarf. Entwurf: Diane Stein[/caption]Wie schön, ein Bad zu nehmen! Diese angenehme Wärme. Diese Leichtigkeit. Doch das Badezimmer kann auch ein gefährlicher Ort für ältere Menschen sein. Wie ein an die Bedürfnisse von Senioren angepasstes, „futuristisches Bad“ aussehen könnte, dieser Frage ging die Münchner Architektin Heidrun Reusch mit ihren Studierenden nach. Das Projekt wurde ein voller Erfolg. So fragte das Sanitärtechnikunternehmen Geberit inzwischen an, ob es die Seminarentwürfe ausstellen dürfe.

Das futuristische Bad, das Diane Stein entwarf, hat einen „Mobile-Chair“ als Herzstück. Dabei handelt es sich um eine formschöne Sitzschale aus Kunststoff, die an der Decke in einem Schienensystem befestigt ist. Verbunden ist sie mit einer Teleskopstange. Der Senior kann sich entlang des Schienensystems im Badezimmer ohne fremde Hilfe bewegen. Er kann die Sitzfläche bei Bedarf absenken. Und er kann sich mit dem Stuhl vollständig um die eigene Achse drehen. „Das bedeutet für den Benutzer entlang der Schienenführung eine maximale Flexibilität“, so Diane Stein. Gesteuert wird der Stuhl mit einer Fernbedienung, die in die Armlehne integriert ist.

Senioren können mit „Mobile-Chair“ ohne fremde Hilfe baden, duschen oder die Toilette nutzen. Der Stuhl ist raffinierter und weitaus vielfältiger einsetzbar als ein Badelift. Er ist zugleich einfach zu bedienen und sicher.

„Mobile-Chair“ bedeutet auch eine Erleichterung für das Pflegepersonal. Diane Stein: „Bei größeren körperlichen Einschränkungen würde der Stuhl die Arbeit von Pflegekräften und den Aufwand für den Nutzer bei pflegerischen Abläufen erheblich vereinfachen.“ Das Ganze ist so gedacht, dass man das Schienensystem bereits in jungen Jahren einbauen lassen kann, so dass im Alter nur noch der Stuhl nachgerüstet werden müsste. „Allerdings sollte es auch möglich sein, dieses System in nahezu jedem Bad mit ausreichender Größe und Deckenhöhe einzubauen“, so die junge Architektin.

Nicht alle Menschen brauchen unbedingt eine Badewanne. Manche sind mit einer Dusche vollauf zufrieden. Duschkaninen gibt es heute in allen möglichen Ausführungen zwischen Standard und Luxus. Eine ganz besondere Dusche entwickelte Isabelle Schmitz im Seminar von Heidrun Reusch. Bei ihrer Dusche mit integriertem Waschbecken handelt es sich um eine futuristische Skulptur, die frei im Raum steht.

Ein solches Zimmer mit Körperpflegemobiliar unterscheidet sich gravierend von heute üblichen Baderäumen. Selbst die Toilette wird in diesem Bad der Zukunft als raumbildendes Element inszeniert, so Schmitz: „Und willentlich gezeigt.“ Der Waschtisch kann mit dem Rollstuhl unterfahren werden, Haltegriffe am WC erleichtern das Aufstehen.
Ob es ein solches Badezimmer jemals geben wird? Diese Frage ist zweitrangig. Viel wichtiger ist es, dass junge Menschen bei Architektin Heidrun Reusch lernen, sensibel für die Bedürfnisse von Senioren zu werden. Reusch selbst beschäftigt sich mit dem Thema Ambient Assisted Living (AAL) als Vortragende in Seminaren sowie als Dozentin der Fakultät Architektur an der Hochschule München.

AAL wird in Zukunft stärker noch als bisher die Kassen klingeln lassen. Aus diesem Grund wird Reusch inzwischen von unterschiedlichen Firmen zum Thema „Seniorengerechte Gestaltung“ als Dozentin beauftragt. Ihre Studierenden wiederum fanden es mit Blick auf ihre berufliche Zukunft sehr interessant, sich mit AAL zu befassen und Ideen für ein „Futuristisches Badezimmer“ spinnen zu dürfen.

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