Die „Aufwertung“ des Alters. Eine gesellschaftliche Farce

Ich möchte Sie auf den höchst lesenswerten und gut lesbaren Beitrag „Die ‚Aufwertung‘ des Alters. Eine gesellschaftliche Farce“ des Autorenkollektivs van Dyk/Lessenich/Denninger/Richter von der Universität Jena (erschienen in der Zeitschrift Mittelweg 36 Heft 5/2010 vom 15. Oktober 2010, Thema „Das Alter von heute“, 9,50 €) aufmerksam machen.

Mit feiner und, wenn nötig, auch verschärfter Ironie, doch nie den Pfad der Wissenschaftlichkeit verlassend, gelingt es den Autoren, den feststellbar merkwürdigen (und auch von den Nachdenkseiten immer wieder aufgegriffenen) Altersdiskurs in Politik und Medien der letzten 25 Jahre zielsicher aufzuspießen und die darin zum Teil „auf geradezu penetrant anmutende Art und Weise“ gebetsmühlenhaft runtergeleierten Plattheiten, Absurditäten und Manipulationen deutlich werden zu lassen.

In den Verlautbarungen von Politik und Medien besonders beliebt seien der Analyse zufolge immer „ressourcenökonomische Argumente“ mit der selten fehlenden Aufforderung zum ehrenamtlichen Engagement. Einer „behaupteten Aufwertung (’55-Jährige sind so erfahren‘)“ sei aber die gleich darauf folgende „in hohem Maße nach wie vor altersstereotype Abwertung (‚Erfahrung kompensiert Abbau‘) inhärent.“ Eine „ausschließlich ethisch-humanitäre Argumentation für einen neuen Umgang mit dem Alter (sei) an keiner Stelle zu finden“. Das Diskriminierungsproblem werde in diesem Diskurs schlichtweg ausgeblendet.

Wer ist bei diesem Altersdiskurs eigentlich gemeint, fragen die Autoren und stellen fest, dass es „faktisch die Nicht-Alten“ sind: „im Kern die 50- bis 65-Jährigen“: „einerseits noch im ‚besten Alter’… andererseits doch … irgendwie gestrig.“ Und wer kein Teil mehr dieser trotzdem schöngeredeten „Jungbrunnendynamik“ ist, fällt halt hinten runter. Dafür gibts Pflegeheime und Pflegedienste usw. und außerdem ist das sowieso eine andere Baustelle, möchte man ergänzend feststellen.

Als ein (vorläufiges) Ergebnis der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DSF) geförderten („einstweilen noch nicht abgeschlossenen“) Studie nimmt der Leser die Aussage mit, „dass die allseits und allerorten politisch, medial wie wissenschaftlich propagierte und gepriesene Aufwertung des Alters eine gesellschaftliche Farce darstellt – eine Farce mit vielen Darsteller/innen und einem großen Publikum.“

Die Autoren lassen die Frage nach dem ‚Warum?‘ dieses auf großer Bühne stattfindenden Diskurses noch offen und wagen, da es noch „weiterer diskursanalytisch fundierter Materialanalysen bedürfe“, einstweilen nur ein paar vorläufige Vermutungen, die man jedoch in Ruhe nachlesen und sich aufgrund der gewählten Formulierungen durchaus auf der Zunge zergehen lassen kann:

Hier nicht nur Leseprobe, sondern der komplette Artikel

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